Leoni Fischer


A Massive Legacy
Big Data und der Tod

Daten gelten als die wichtigste Ressource unserer Zeit. 
Täglich produzieren und konsumieren wir immense Datenmengen und versuchen, 
aus ihnen den größtmöglichen Nutzen zu ziehen. Hierzu konservieren riesige Datenspeicher
 unsere Informationen und verbrauchen große Mengen an Energie. 
Die meisten von uns genutzten Onlineplattformen sind Cloud Computing Dienste wie 
Mail Services, Online Datenspeicher wie Dropbox oder eben Netzwerke wie Facebook. 
Wäre Cloud Computing ein eigenes Land, hätte es nicht weniger als den fünfthöchsten 
Energieverbrauch der Welt (1). Die Ressource Daten besteht grundsätzlich in drei 
Zuständen, aus denen sich ihr Wert generieren und einordnen lässt. 
Zunächst sind Daten in ihrer Rohform pure Information. 
Diese Information liegt ungefiltert vor und kann in einem zweiten Schritt durch 
Sortierung, Kategorisierung und Aufbereitung zu Wissen umgewandelt werden. 
Dieses Wissen – das meistens durch Korrelation gewonnen wird – ist das direkte 
Analyseergebnis der Daten. Im dritten Schritt muss das Ergebnis der Datenanalyse 
innerhalb des jeweiligen kulturellen Kontextes interpretiert werden. 
Das heißt: Durch das Ziehen von spezifischen Schlussfolgerungen aus dem generierten 
Wissen, wird die Datenmenge als Ressource erst wirklich wertvoll. 
Doch was passiert mit all den aufgezeichneten, analysierten und interpretierten Daten 
wenn Vorgänge abgeschlossen sind, wenn es keine unmittelbare Verwendung mehr gibt, 
oder, im Extremfall, wenn wir sterben? Dazu schreibt Viktor Mayer-Schönberger in 
seinem Buch Delete: die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten sehr treffend: 
„Seit Beginn der Menschheitsgeschichte war das Vergessen für uns Menschen die Regel 
und das Erinnern die Ausnahme. Durch die Digitaltechnologie und die globale Vernetzung 
hat sich das Verhältnis verschoben. Aufgrund der weiten Verbreitung digitaler Techniken
 ist das Vergessen heute zur Ausnahme und das Erinnern zur Regel geworden.“(2) 
Und tatsächlich, war es früher teuer und aufwändig, die Hinterlassenschaften eines 
Verstorbenen aufzubewahren, sei es beispielsweise durch das Einlagern von Kisten oder 
auch im Hinblick auf die Sicherung des geistigen Eigentums, so ist es heute oft 
günstiger und einfacher, die gesamte Masse der hinterlassenen Daten kurzerhand zu 
speichern und dem virtuellen Raum zu überlassen. Natürlich führt diese Entwicklung 
zugleich zu einer Veränderung des Trauerprozesses. Denn, durch den Zwang sich von 
einem Großteil der Hinterlassenschaften einer geliebten Person zu trennen, wurde in 
vordigitalen Zeiten ebenso der Prozess des Loslassens vor allem psychologisch unterstützt
 und mit kulturell wie auch physischen Handlungen unterlegt. Durch das Internet und die
 damit verbundenen Möglichkeiten, verhältnismäßig günstig enorme Datenmengen speichern
 zu können, findet eben nicht nur ein technologischer, sondern ebenso gesellschaftlicher 
Paradigmenwechsel statt: Statt sich wie gewohnt von Dingen aus Zeit- und Kostengründen 
trennen zu müssen, weil deren physische Einlagerung zu aufwendig und teuer ist, bedeutet 
es heute einen ähnlich großen Mehraufwand den digitalen Nachlass einer Person virtuell 
zu ordnen und quasi „auszumisten“. Wir neigen daher dazu, alle hinterbliebenen Daten 
einfach zu speichern und zu „merken“ – gerade dadurch, weil die entsprechenden 
Kapazitäten nahezu unbegrenzt verfügbar sind. Durch dieses Verhalten ergeben sich diverse 
Konsequenzen die im Konflikt mit dem Nachhaltigkeitsgedanke stehen, sowohl auf 
herkömmlich ökologische oder ökonomische Weise als auch im Sinne einer digitalen 
Nachhaltigkeit. Doch zunächst muss vorausgeschickt werden, dass die wenigsten Nutzer 
sich über das Ausmaß ihrer eigenen Datenproduktion bewusst sind, da zum Beispiel durch 
automatisierte Backups unbemerkt erhebliche „Datenberge“ entstehen. 
Neben der Tatsache, dass es keineswegs energieeffizient ist, diese ungefilterten und 
nichtssagenden Datenmengen permanent anwachsen zu lassen, ist auch im Falle des 
Ablebens eines geliebten Menschen ein höchst problematische Tendenz zu beobachten: 
Denn vielerorts ist kaum ein Bewusstsein vorhanden, die automatisierte Datenverarbeitung 
und -vernetzung zu überprüfen, zu revidieren oder auch zu beenden. 
Darüber hinaus: Es ergeben sich strukturell-systemische Konflikte in vielen Bereichen des 
Internets, da dieses als virtuelles Konstrukt den Tod 
(von Personen beziehungsweise Daten) mehr oder weniger ausschließt. 
So tragen ungelöschte Social Media Accounts verstorbener Menschen dazu bei, 
dass eine Art „Totenstadt“ innerhalb des Systems Internet entsteht, 
wodurch kaum mehr festgestellt werden kann, wer eigentlich tot und wer lebendig ist. 
Eine interessante Analogie zu diesem Phänomen findet sich in Italo Calvinos Invisible 
Cities. Hier schreibt er: No City is more inclined than Eusapia to enjoy life and flee 
care. And to make the leap from life to death less abrupt, the inhabitants have 
constructed an identical copy of their city underground. All corpses [...] 
are carried down there, to continue their former activities. 
They say in the twin cites there is no longer a way of knowing who is alive and who 
is dead.“(3) Diese von Calvino vorbezeichnete und heute tatsächlich 
(virtuell) einsetzende Entwicklung hat wiederum Einfluss auf die Algorithmen, 
die durch automatische Datenanalyse genau das bestimmen, was aus dem unendlichen 
Ozean der Internetbeiträge nach oben in die Trefferlisten gespült wird. 
Oder, anders formuliert: 
Unsere Toten und ihre Daten beeinflussen aktiv unsere Internetwirklichkeit. 
Auch kulturell stellt uns diese Entwicklung vor Probleme: Wie gehen wir zum Beispiel als 
Gesellschaft damit um, nicht mehr darüber entscheiden zu können, wann wir uns an unsere 
Verstorbenen erinnern wollen, sondern vermeintlich per Berechnung oder auch Zufall 
von den Algorithmen sozialer Netzwerke an sie erinnert werden? Welchen Einfluss haben 
dieseneuen Phänomene auf unsere Trauer- und Erinnerungskultur? 
Können wir im Internet bald ewig leben oder tritt damit wirklich jenes in 
Erscheinung was man auch als das Ende der Zeit bezeichnen könnte? 
Auch im Bereich des geistigen Eigentums bilden sich durch die 
neuartigen Tendenzen zeitlich unbestimmter, digitaler Nachlassvorgänge vielfach 
unterschiedliche Herausforderungen. Durch unsere allumfassende Nutzung des Internets,
sowohl als Spiel- als auch als Arbeitsplatz generieren wir täglich und auf vielen 
verschiedenen Plattformen geistiges Eigentum. 
Geistiges Eigentum ist in der analogen Welt allein mit dem Urheber 
selbst verbunden und lose mit denjenigen verknüpft, die es verbreiten oder lagern.
 In der Welt des Digitalen erstellen wir geistiges Eigentum jedoch fast ausschliesslich 
innerhalb eines „fremden“ Rahmens. Das geistige Eigentum wird also in den 
Eigentumsbereich eines Anderen hineingeboren und ist so in den meisten Fällen nur 
indirekt mit dem Eigentümer oder Urheber selbst verknüpft. Das alte Verhältnis von 
Verlagen und Autoren wird daher auf vielen Social Media Plattformen wie 
Facebook oder Twitter umgekehrt oder wird zumindest neu gewichtet. 
So wird zum Beispiel ein Tweet vornehmlich mit seiner Plattform Twitter verknüpft 
und erst im zweiten Schritt mit dem Autor, der den Kommentar durch seinen Account 
erstellt hat. Besonders innerhalb großer offener Plattformen wie Wikipedia, 
auf denen es hauptsächlich um das Ziel des Zugänglichmachens von Wissen geht 
und auf denen Autoren kostenlos Beiträge erstellen, tritt der Autor als 
individuelle Person und Eigentümer von geistigem Eigentum fast gänzlich 
in den Hintergrund.Es muss jedoch gesagt werden, dass diese Verschiebungen innerhalb 
des Internets und den verschiedenen Plattformen unterschiedlich ausgeprägt sind. 
Seiten wie WordPress stellen durchaus den Autor ins Zentrum der Aufmerksamkeit und 
schaffen sich nur durch die verpflichtende Nennung des Anbieters innerhalb der 
Domain und das Schaffen einer Plattform, die alle Seiten des Anbieters einschließt, 
eine eigene Bühne.Die Frage nach dem geistigen Eigentum 
einer Person im Todesfall wird also dadurch, dass es unterschiedlichste digitale 
Plattformen und entsprechende Gewichtungen von Urheberschaft gibt, 
vielfach verkompliziert. Oft sind sich die Autoren der Beiträge zudem nicht über 
diese verschiedenen Gewichtungskonzepte bewusst, was zum Teil darin begründet werden 
kann, dass das Schreiben von Inhalten auf Plattformen wie Facebook oder Twitter 
nicht primär mit dem Schaffen von geistigem Eigentum verknüpft wird und 
entsprechende Transparenz geschaffen wird. 
Viel eher nehmen wir die Aktivität in sozialen Netzwerken als direkte Kommunikation wahr.
 Dass sich aus der Vielzahl vermeintlich „unbedeutender“ Beiträge eines 
Nutzers ein großes kommunikatives wie auch ökonomisches Kapital für die 
Plattformbetreiber ergibt, ist für diemeisten Nutzer meist nicht sichtbar oder 
wird als solches nicht wahrgenommen. Diese Differenz in der Art und Weise, wie wir 
unsere eigenen (urheberrechtlichen) Aktivitäten einschätzen und wahrnehmen, 
führt zu einem oft unbedarften Umgang mit Social Media Netzwerken.
Zurück zur ursprünglichen Thematik: Denn stirbt ein geliebter Mensch kann 
das für die Angehörigen oder Erben des digitalen Nachlasses eine erhebliche Belastung 
bedeuten, gerade was die sozialen Netzwerke angeht. Denn mit dem Tod eines Users 
gewinnenoft für den Verstorbenen ursprünglich belanglose Teile seines Besitzes, 
so wie zum Beispiel Kalendernotizen erheblich an emotionalem und persönlichem Wert 
für die Hinterbliebenen, und das nicht nur nebenbei. Ein Beispiel: 
War eine Person häufig in sozialen Netzwerken aktiv, so ergibt sich theoretisch
für die Angehörigen ein gesammeltes Fotoalbum, chronologisch geordnet, 
mit Bildern direkt aus dem Datennachlass des Verstorbenen. 
Die Rechte an den Bildern werden jedoch bei manchen Diensten mit der Nutzung 
der Plattform direkt an den Anbieter des Dienstes weitergegeben. 
Ist dies nicht der Fall,stehen die Angehörigen oder Erben oft vor der Herausforderung, 
direkten Zugriff auf den Account zu erhalten. Wegen eben diesem Problem kam es 
in den letzten Jahren vermehrt zu rechtlichen Auseinandersetzung, 
gerade im Zusammenhang mit Facebook; denn wird den Erben der Zugriff 
auf das entsprechende Userportal/-profil verweigert, bleiben diese aktiv und 
werden so zu Geisterprofilen. Oft haben die Hinterbliebenen zudem keinen Überblick über 
alle Plattformen, auf denen der Verstorbene über Jahre aktiv war beziehungsweise sich ein 
Nutzerzugang angelegt hat. Man muss daher feststellen, dass im Bezug auf die digitale 
Nachlassverwaltung eines Individuums gerade im digitalen Bereich und insbesondere 
hinsichtlich Social Media unterschiedlichste strukturelle Probleme auftreten. 
Und nochmals, diese entstehen durch eine in Teilen unaufmerksame und verbreitete Nutzung 
von sozialen Netzwerken, die zwar alle im Internet „frei“ agieren und ähnliche 
Funktionen aufweisen, sich jedoch im Bezug auf das geistige Eigentum und 
entsprechende Zugriffsrechte stark unterscheiden. Natürlich lassen sich hier 
auch pragmatische Lösungsansätze finden, darunter zum Beispiel digitale Schliessfächer 
für Passwörter oder Übersichten und Vorschläge, wie man seinen digitalen Nachlass 
langfristig anlegen und sortieren kann – jedenfalls theoretisch. Doch was passiert 
eigentlich mit dem kollektiven digitalen Erbe einer ganzen Generation? 
Wie gehen wir damit um, dass wir gemeinsam mehr und mehr Spuren hinterlassen? 
Wie verändert diese Entwicklung wie wir als Gemeinschaft trauern und uns Erinnern? 
Welche kulturellen Rituale können aus dem Tod im Digitalen entstehen und müssen diese 
unbedingt digital sein oder können auch Mischformen von digitaler und analoger 
Trauerkultur einen Lösungsansatz bilden? Unbestritten, 
digitale Trauer als solche ist wichtig. 
Durch das Erschaffen rein digitaler Parallelwelten wie zum Beispiel im Spiel World of 
Warcraft entstehen (virtuelle) Beziehungen zwischen Menschen, die sich noch nie im realen 
Leben getroffen haben und trotzdem durch gemeinsame Erlebnisse oder einen gemeinsamen 
Freundeskreis innerhalb der Community miteinander verbunden sind. 
Im Todesfall sind diese „Bekannten“ jedoch häufig von der realen Trauerzeremonie der 
Angehörigen ausgeschlossen – allein dadurch, dass diese oft nicht von ihnen wissen 
oder sie nicht erreichen können. Aufgrund dessen hat sich in den letzten Jahren 
eine neuartige, rein digitale Trauerkultur entwickelt, die je nach Plattform 
unterschiedliche Merkmale aufweist. Die Spieler von World of Warcraft trauern zum 
Beispiel bereits sehr aktiv um verstorbene Mitspieler. 
Hier werden innerhalb der Spiellandschaft und basierend auf der 
Spielwirklichkeit Gedenkzeremonien veranstaltet und Erinnerungsorte eingerichtet. 
Letztere werden häufig sogar in den Spielverlauf integriert und so fester 
Bestand der Spielwirklichkeit. Als weniger gut funktionierendes Beispiel lässt sich 
Facebook anführen. Hier kann der Account eines Nutzers nach dessen Ableben in 
Gedenkstatus überführt werden. Der Account bleibt dadurch unverändert, 
jedoch sind Accountaktivitäten wie Geburtstagserinnerungen oder die 
Nachrichtenfunktion stillgelegt. Freunde können die Funktion 
„Auf die Pinnwand schreiben“ weiter nutzen und so öffentlich ihre Trauer ausdrücken.
Durch das bereits vorher beschriebene Phänomen, digitale Beiträge als direkte 
Kommunikation wahrzunehmen, wird meistens versucht, im Duktus der Plattform und 
unter Verwendung der herkömmlichen Trauerausdrucksformen Mitgefühl zu bekunden 
oder der Trauer einen gewissen Raum zu geben. 
Es ist jedoch in vielen Bereichen zu beobachten, dass der Versuch, kulturell etablierte, 
mitunter auch analoge Vorgehensweisen und Ausdrucksweisen der realen Welt direkt in die 
Welt des Digitalen zu übertragen meist scheitert, da die Struktur des Digitalen gänzlich 
neue Ansätze erfordert. Dies gilt insbesondere aufgrund des bereits angemerkten 
Missverständnisses, digitale Kommunikation unmittelbar als direkte Interaktion 
fehlzudeuten. Allgemein lässt sich also feststellen, dass das Thema des digitalen
 Nachlassesnoch reichlich viel ungenutztes Potential bietet, beziehungsweise 
in weiten Teilen des Diskurses (vor allem in den Gestaltungsdisziplinen) in 
dessen kultureller Tragweite noch gar nicht erkannt wurde – sei es im Umgang 
mit der Gesamtheit und Fülle der hinterlassenen Daten als auch im Ausdruck der 
eigenen und der kollektiven Trauer im Netz. Wie bereits beschrieben, 
es gibt bereits einige Vorschläge für den Umgang mit digitalem Nachlasses. 
Doch gänzlich offen bleibt nach wie vor die Frage nach dem emotionalen und 
persönlichen Wert, den die hinterlassenen Daten enthalten oder erhalten sollen.
Hier bedarf es offenen Diskursen und Strategien, um das (digitale) Erbe zu sichten 
und nachhaltige Werte aus Datenmengen zu generieren. Dieser Wert kann und sollte 
für die trauernden Hinterbliebenen als Individuen oder für das Kollektiv 
der Nutzer einer Onlineplattform geschaffen werden. 
Denn nur durch eine bewusste wie auch transparente Gestaltung dieser 
„emotionalen Datenkultur“ kann eine nachhaltige Strategie entstehen, 
die einen je eigenen kulturellen Wert mit sich bringt, anstatt nur 
lästige Aufräum- und Löscharbeit zu sein. Außerdem ist es wichtig, 
aus den hinterlassenen Daten einen Wert zu generieren, der nicht alleine zur 
Verbesserung von Suchmaschinenalgorithmen oder Ähnlichem beiträgt. 
Zuletzt bleibt die Frage offen, wie wir mit dem Wert des Vergessens im Bezug 
auf den digitalen Tod als Gesellschaft umgehen sollten. 
Da das Internet ein solches Vergessen im herkömmlichen Sinne nicht vorsieht kann 
es nur künstlich im System des Internets verankert werden. Diesen Prozess digital 
nachhaltig zu gestalten, halte ich für eine wichtige, mitunter auch zentrale 
Aufgabe des Designers im digitalen Zeitalter. Mayer- Schönberger schlägt 
in Delete beispielsweise verschiedene rein digitale Lösungswege vor, 
so zum Beispiel eine künstliche Haltbarkeitsspanne von Inhalten, die je nach 
historischer Relevanz vergeben werden. Diese Methode halte ich jedoch für 
nicht pragmatisch, da diese wiederum einen eigenen Algorithmus erfordern würde, 
der in der Lage wäre, Beiträge auf ihre historische Relevanz 
hin zu bewerten. Zugleich schlägt Mayer-Schönberger vor, dass ältere Beiträge 
schwerer zu finden sein sollten. Im Hinblick auf eine digitale Archäologie 
scheint dieser Ansatz vielversprechender zu sein als der Vorherige, 
da das Phänomen bereits am Beispiel von altenWebseiten auftritt. 
Jedoch scheint es insgesamt als sinnlos, eine Hierarchie der 
Zugänglichkeit in einem absolut offenen System wie dem Internet einzuführen. 
Viel eher müssen Wege und Rituale gefunden werden um die digitale Welt, die trotz ihrer 
virtuellen Ontologie bereits allgegenwärtiger Bestandteil unserer Realität geworden ist, 
gewissermaßen „fließender“ in unsere Kultur zu integrieren. 
Oder konkret: Es müssen „halbvirtuelle“, hybride Rituale gestalten werden, um sowohl 
digitale als auch reale Bekanntschaften im Trauerfall zusammenzuführen und unter 
einen gemeinsamen Rahmen stellen zu können. Und auch insgesamt sollte der digitale
 Teil unseres Lebens – inklusive unseres digitalen Sterbens – mehr in den 
Fokus der Öffentlichkeit treten. So könnten beide Systemewechselseitig 
voneinander profitieren und sich bereichern. 
Demnach hätte der Gestalter in Zukunft die Aufgabe, unterschiedlichste Information zu 
analysieren, jedoch insbesondere aus den konkreten Ergebnissen die richtigen Schlüsse zu 
ziehen und anhand derer eine je eigene „halbvirtuelle“ Trauerkultur zu gestalten. 
Wir müssen eben in der digitalen Welt noch lernen, den Wert des Vergessens zu 
schätzen und den Prozess des Loslassens aktiv zu gestalten, ihm Ausdruck zu verleihen und eben dadurch kulturell zu vermitteln – denn: 
der Speicherplatz auf der Welt ist nicht unbegrenzt und eine wichtige Fähigkeit, 
die uns von Algorithmen unterscheidet, ist die Kunst, aus Daten und Informationen eigene 
Interpretationsformen im Rahmen unserer kulturellen Identität zu entwickeln.
 



References

(1) http://www.greenpeace.org/international/Global/international/publications/
climate/2012/iCoal/ HowCleanisYourCloud.pdf, 23.07.2017. 
(2) Viktor Mayer-Schönberger, Delete: die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten,
 Berlin University Press, Berlin, 2010. 
(3) Italo Calvino, Le città invisibili, Mondadori, Mailand, 1972.

Essay publiziert im Katalog der Ausstellung Public Keys,
Baumwollspinnerei Leipzig